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„Selbstbestimmt, Selbstkompetent, Engagiert – Menschen mit und ohne Behinderungen in der Bürgergesellschaft“

Unter diesem Titel fand am 10. und 11. Februar die zentrale Veranstaltung des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) in Partnerschaft mit dem ForseA zum EJMB statt. Veranstaltungsort war das Berliner Quality Hotel Wilhelmsberg. Das Frankfurter Institut für Sozialarbeit und Sonderpädagogik war mit der organisatorischen Durchführung beauftragt. Die positivsten Erwartungen bezüglich des Teilnehmerinteresses wurden noch weit übertroffen. So musste rund fünfzig Interessierten wegen Überbuchung abgesagt werden.

Bild: Der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, Karl-Hermann HaackDr. Heidi Knake-Werner, Berliner Senatorin für Gesundheit, Soziales und Verbraucherschutz und Elke Bartz eröffneten mit ihren Grußworten die Tagung. Der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, Karl-Hermann Haack, referierte unter dem Motto „Der Paradigmenwechsel ist vollzogen. Von der Fürsorge zur Selbstbestimmung“. Er hob die Politik für behinderte Menschen in der vergangenen Legislaturperiode und hier besonders, das Bundesgleichstellungsgesetz, das SGB IX sowie die Programme zur Beseitigung der Arbeitslosigkeit behinderter Menschen hervor. Er betonte auch die Notwendigkeit eines Zivilrechtlichen Antidiskriminierungsgesetzes und gesetzlicher Regelungen zur Absicherung der Persönlichen Assistenz.

Ulrich Laschet, Bundesgeschäftsführer des VdK referierte über die Selbsthilfebewegungen von Menschen mit Behinderungen in Europa. Beeindruckend war der Podiumsbeitrag des rheinland-pfälzischen Behindertenbeauftragten und Staatssekretärs, Dr. Richard Auernheimer. Er zeigte deutlich auf, wo es noch Defizite gibt, die behinderte Menschen an der gleichberechtigten Teilhabe hindern. Gleichzeitig betonte er, wie wichtig und fruchtbar die Zusammenarbeit mit den Zentren für selbstbestimmtes Leben ist. Auch Wolfgang Thiel von der NAKOS – der Nationalen Kontakt- und Informationsstelle in Berlin - überzeugte mit seinem Beitrag. Nicht so positiv wurde der Vortrag von Prof. Dr. Georg Theunissen von der Martin-Luther-Universität zu Halle-Wittenberg aufgenommen. Das lag weniger am Inhalt als an der Vortragsweise. Obwohl Doris Haake und ihr Kollege von People first protestierend ihre Schilder mit der Aufforderung „Halt – bitte leichte Sprache“ in die Höhe hielten, war er nicht in der Lage, seinen Beitrag in einer für alle verständlichen Sprache zu fassen. Aus dem Plenum meldete sich später Matthias Vernaldi dazu und meinte, es sei auch eine Form von Behinderung, nicht aus seinen Denkschemata herausbrechen zu können.

Am zweiten Tag wurde unter dem Aspekt, welche Möglichkeiten Selbsthilfe, Bürgerschaftliches Engagement, Freiwilligendienste und Zivildienst für ein selbstbestimmtes Leben behinderter Menschen mit sich bringen, diskutiert. Hier ging es teilweise sehr kontrovers her. Freiwillige sind oft „billige Arbeitskräfte“, die deshalb gerne eingesetzt werden. Doch entgegen dem Willen des Gesetzgebers erfolgen diese Einsätze häufig nicht in Ergänzung, sondern anstelle von Hauptamtlichen. Beim Freiwilligen Sozialen Jahr sollen junge Menschen erproben können, ob sie sich für eine spätere Tätigkeit im sozialen Bereich eignen. Menschen mit Behinderungen sind jedoch auf kontinuierliche Hilfen und nicht auf Beliebigkeiten zur Alltagsgestaltung angewiesen. Hätten Zivildienstleistende in der Vergangenheit nicht Hauptamtliche ersetzt. wären die Kürzungen der Zivildienstzeit und die immer geringere Anzahl von Zivis kein so Problem beladenes Thema. Es wurde also schnell deutlich, dass Ehrenamt und Selbstbestimmung behinderter Menschen im Kontext an sehr enge Grenzen stoßen.

Dass sich behinderte Menschen ebenfalls sehr sinnvoll ehrenamtlich betätigen können, thematisierten die Arbeitsgruppen ebenfalls. Das geht jedoch noch weiter: Wie Reinhild Möller von Verein Behinderte helfen Nichtbehinderten, BhN und Elke Bartz in ihren Referaten darstellten, können nichtbehinderte durchaus auch von behinderten Menschen lernen. Schulbesuche in Regelschulen sollen Schülerinnen und Schülern Einblicke in das Leben mit Behinderung geben. Sie sollen jedoch nicht als Alibi dienen und integrative Beschulung überflüssig machen. Bild: Die Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend Renate Schmidt

Ministerin Renate Schmidt sollte ursprünglich das erste Begrüßungswort sprechen. Da Bundeskanzler Schröder sein Kabinett wegen der Irak-Krise zusammengerufen hatte, langte es ihr dann gerade noch, um die Schlussworte zu der gelungenen Veranstaltung zu sprechen. Sie betonte die Notwendigkeit bürgerschaftlichen Engagement als Ergänzung zu den vielfältigen Aufgaben von Staat und Gesellschaft, zeigte aber auch auf, dass dadurch niemand aus seinen Pflichten entlassen werden darf.

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