Ich
konnte nicht entscheiden, wer mich wäscht und anzieht
Elke Bartz, Hollenbach
Ich koordiniere die Kampagne „Marsch aus den Institutionen –
Reißt die Mauern nieder", weil ich nicht akzeptieren kann
und will, dass Menschen entgegen ihrer Bedürfnisse und Wünsche
in aussondernden Wohnformen leben müssen. Wenn ich Forderungen
nach einem selbstbestimmten Leben bekräftige, weiß ich genau,
wovon ich rede.
Als ich 1976 als 20-Jährige meinen Unfall mit einer Querschnittslähmung
als Folge – aus der ein Rund-um-die Uhr-Hilfebedarf resultierte
– hatte, kam ich gleich nach der medizinischen Rehabilitation
in ein Heim für körperbehinderte Menschen. Damals schien es
nur die Alternative zwischen einer Versorgung in der Familie oder einer
stationären Einrichtung zu geben. Obwohl ich in einer „guten“
Einrichtung untergebracht war, ist mir das Leben mit seinen fremdbestimmenden
Strukturen dort schnell unerträglich geworden. Ich konnte nicht
entscheiden, wer mich wäscht und anzieht; ich konnte nicht bestimmen,
wann ich aufstehe oder wann und was ich esse. Ich konnte nicht wegfahren;
ich konnte nicht mehr über meine finanziellen Mittel verfügen.
Entscheidungen, die mich und mein Leben betrafen, wurden zum größten
und vor allem zum existenziellsten Teil von mir fremden Menschen getroffen.
Es hat letztendlich fünf Jahre gedauert, bis ich es geschafft hatte,
mich aus der Einrichtung freizukämpfen und in ein eigenes Haus
zu ziehen. Ich würde niemals mehr zurück in eine Einrichtung
gehen. Ein Leben dort ist für mich nicht lebenswert.
Was ich für mich selbst nicht will, darf ich anderen Menschen nicht
zumuten. Deshalb setze ich mich dafür ein, dass verschiedene ambulante
Wohn- und Lebensformen geschaffen und gefördert werden, damit jeder
behinderte Mensch die für ihn geeignete wählen kann.
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