Ihsan
Özdil
Coburg
Seit meinem Badeunfall 1979 setze ich mich mit der Situation von behinderten
und älteren Menschen auseinander. Schon im Krankenhaus, während
der Rehabilitationsphase, veranstalteten wir wöchentliche Treffen
von und mit behinderten Menschen, um Erfahrungen auszutauschen. Wir
hatten schon damals mitbekommen, dass wir, wenn wir uns den vermeintlich
gut gemeinten Institutionen ausliefern, auf dem direkten Weg von der
Klinik in die Heime verlegt würden, so wie es Einigen von uns erging.
Von der Beratungspflicht der Sozialämter haben wir damals vorerst
nichts gewusst. Wie auch! Denn wir mussten zuallererst lernen, mit den
Hilfsmitteln umzugehen. Den größten Teil unserer Zeit waren
wir damit Beschäftigt, zu üben uns im Rollstuhl fortzubewegen.
Wie sollten wir gleichzeitig noch das Bundessozialhilfegesetz (BSHG)
studieren? Deshalb wäre eine breite Information über die Möglichkeiten
eines selbstbestimmten Lebens in gewohnter Umgebung seitens der Ämter
sehr hilfreich gewesen.
Aus eigener Erfahrung weiß ich heute, worauf es für viele
Menschen mit Behinderung ankommt: Nämlich ihnen zu zeigen, dass
sie gesetzliche Ansprüche haben und sie dabei zu unterstützen,
diese auch in Anspruch nehmen zu können. Alten- und Pflegeheime
dürfen für alle Menschen nicht die Endlösung sein. An
alternativen Möglichkeiten mangelt es inzwischen nicht mehr. Jeder
kann das entsprechende Angebot für sich ausprobieren, wie zum Beispiel
Wohngemeinschaften und das Arbeitgebermodell.
Als erster Vorsitzender des Vereins Behindertenselbsthilfe e.V. Coburg
und über das Forum selbstbestimmter Assistenz behinderter Menschen
– ForseA - versuche ich all die zu erreichen, die aus der Isolation
heraus wollen. Wenn ich durch meinen Einsatz helfen kann, dann habe
ich denen geholfen, die alleine die Möglichkeit nicht haben und
von den Behörden oftmals im Stich gelassen wurden. Leider gibt
es immer noch Ämter, die vorzüglich in der Ablehnung der Anträge
der Hilfesuchenden sind, die sich häufig aus Scham nicht trauen,
gegen die Staatsorgane juristisch vorzugehen. Deshalb fordere ich die
Institutionen auf: "Reißt die Mauern in den Köpfen nieder
für ein würdiges Leben der Menschen und ermöglicht ihnen
die Teilhabe in der Gesellschaft so wie es im Gesetz steht!"
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