Bundesverband
Forum selbstbestimmter Assistenz behinderter Menschen e.V.
Position: Projekte > 2004 Marsch

Marsch aus den Institutionen:
Reißt die Mauern nieder!

Foto Ihsan ÖzdilIhsan Özdil
Coburg

Seit meinem Badeunfall 1979 setze ich mich mit der Situation von behinderten und älteren Menschen auseinander. Schon im Krankenhaus, während der Rehabilitationsphase, veranstalteten wir wöchentliche Treffen von und mit behinderten Menschen, um Erfahrungen auszutauschen. Wir hatten schon damals mitbekommen, dass wir, wenn wir uns den vermeintlich gut gemeinten Institutionen ausliefern, auf dem direkten Weg von der Klinik in die Heime verlegt würden, so wie es Einigen von uns erging.

Von der Beratungspflicht der Sozialämter haben wir damals vorerst nichts gewusst. Wie auch! Denn wir mussten zuallererst lernen, mit den Hilfsmitteln umzugehen. Den größten Teil unserer Zeit waren wir damit Beschäftigt, zu üben uns im Rollstuhl fortzubewegen. Wie sollten wir gleichzeitig noch das Bundessozialhilfegesetz (BSHG) studieren? Deshalb wäre eine breite Information über die Möglichkeiten eines selbstbestimmten Lebens in gewohnter Umgebung seitens der Ämter sehr hilfreich gewesen.

Aus eigener Erfahrung weiß ich heute, worauf es für viele Menschen mit Behinderung ankommt: Nämlich ihnen zu zeigen, dass sie gesetzliche Ansprüche haben und sie dabei zu unterstützen, diese auch in Anspruch nehmen zu können. Alten- und Pflegeheime dürfen für alle Menschen nicht die Endlösung sein. An alternativen Möglichkeiten mangelt es inzwischen nicht mehr. Jeder kann das entsprechende Angebot für sich ausprobieren, wie zum Beispiel Wohngemeinschaften und das Arbeitgebermodell.

Als erster Vorsitzender des Vereins Behindertenselbsthilfe e.V. Coburg und über das Forum selbstbestimmter Assistenz behinderter Menschen – ForseA - versuche ich all die zu erreichen, die aus der Isolation heraus wollen. Wenn ich durch meinen Einsatz helfen kann, dann habe ich denen geholfen, die alleine die Möglichkeit nicht haben und von den Behörden oftmals im Stich gelassen wurden. Leider gibt es immer noch Ämter, die vorzüglich in der Ablehnung der Anträge der Hilfesuchenden sind, die sich häufig aus Scham nicht trauen, gegen die Staatsorgane juristisch vorzugehen. Deshalb fordere ich die Institutionen auf: "Reißt die Mauern in den Köpfen nieder für ein würdiges Leben der Menschen und ermöglicht ihnen die Teilhabe in der Gesellschaft so wie es im Gesetz steht!"

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