Bundesverband
Forum selbstbestimmter Assistenz behinderter Menschen e.V.


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Düren (12. Mai 2001)

Einladung in die Stadthalle Düren, Bismarckstr. 15

am 12. Mai 2001
von 11:00 Uhr bis 16:00 Uhr

Selbstbestimmte Assistenz - eine Alternative zum Pflegeheim!

Im Rahmen der ForseA-Veranstaltungsreihe "Behinderte on Tour - für Menschenwürde in der Pflege"

Veranstalter: Kontakt für selbstbestimmtes Leben im Kreis Düren - KonSeL e.V. - in Kooperation mit dem Forum selbstbestimmter Assistenz behinderter Menschen, ForseA e.V.
Mit freundlicher Unterstützung durch den Behindertenfachgesprächskreis der Stadt Jülich -BFGK-

Finanziell gefördert durch: ForseA e.V., Stadt Jülich, u .a.

6,8 Mio. Menschen mit einer anerkannten Schwerbehinderung leben z.Zt. in der Bundesrepublik Deutschland. Etwa 1,8 Mio. Menschen sind pflegebedürftig im Sinne des Pflegeversicherungsgesetzes SGB XI. Davon leben rund 400.000 Menschen in stationären Einrichtungen und ca. 1,4 Mio. Menschen werden ambulant versorgt. Viele Menschen haben einen Hilfebedarf unterhalb der Pflegestufe I des SGB XI. Sie beziehen Leistungen nach dem BSHG oder zahlen die Kosten für ihren Hilfebedarf aus eigener Tasche.

Immer häufiger entscheiden sich behinderte Menschen für die eigenverantwortliche Form der "Persönlichen Assistenz" nach dem Arbeitgebermodell. Hier beschäftigen assistenznehmende Menschen die von ihnen benötigten HelferInnen (AssistentInnen) in einem eigenen, angemeldeten Betrieb. Sie entscheiden eigenverantwortlich, wer welche Hilfe wann zu welchen (Rahmen-)bedingungen erbringt.

Bei dieser individuellen Form der Unterstützung ist es behinderten Menschen am effektivsten möglich, ihre Selbstbestimmung zu wahren.

Sie müssen sich nicht fremdbestimmenden Strukturen anderer Versorgungsmöglichkeiten unterwerfen.

Bei der Umsetzung der Persönlichen Assistenz im Rahmen des Arbeitgebermodells stehen den AssistenznehmerInnen in der Regel komplizierte bürokratische, verwaltungstechnische  Hindernisse  entgegen. Die Gründe hierfür sind vielfältig. Darüber  wollen wir diskutieren  und uns weg von der dominant institutionsorientierten Gesellschaft orientieren.

Wir werden mit Ihnen die Deinstitutionalisierung nicht nur als eine Vision betrachten, sondern ernst nehmen als Orientierung für ein eigenverantwortliches, menschenwürdiges Leben in Selbstbestimmung.

Über Ihre Teilnahme mit der Bereitschaft zu einem kritischen, realistischen Blick freuen wir uns sehr!

Infos bei: Bianka Becker, Vorsitzende des Vereines Kontakt für selbstbestimmtes Leben im Kreis Düren - KonSeL e.V.
Tel.: 02461 59204, Fax.: 02461 59203, eMail: konsel@t-online.de

Tagungsablauf:

Tagungsmoderation: Michael Esser - WDR

11.00 Uhr   Begrüßung
Bianka Becker, Kontakt für selbstbestimmtes Leben im Kreis Düren - KonSeL e.V.
Michael Esser - WDR

11.20 Uhr   1. Block
"Selbstbestimmt Leben" (National und International)
Ottmar Miles-Paul

11.45 Uhr Einführung "Selbstbestimmte Assistenz"
1. Was bedeutet Assistenz (Begriffsdefinition)
2. Möglichkeiten und Grenzen zur Umsetzung von Assistenz
3. Assistenz im Alter - Eine Vision mit Chancen?

12:30 Uhr Blick in die Praxis
ZSL Köln, Zentrum für selbstbestimmtes Leben
Altenheim St. Hildegard, Jülich (angefragt)
Pflegeberatungsstelle des Kreises Düren
Herr Beyß, Sozialdezernenten des Kreises Düren

13.00 Uhr Mittagspause
Möglichkeit zum Imbiss in der Kantine

13.30 Uhr 2. Block
Begrüßung durch den Sozialdezernenten des Kreises Düren, Herrn Beyß

13.40 Uhr Impulsreferat
"Abschied von Anstalten - Perspektiven für assistenznehmende Menschen"
Dr. Bettina Lindmeier, Universität Oldenburg

14:40 Uhr Pause

14.45 Uhr Podiumsdiskussion
"Politik in der Verantwortung"

Auf dem Podium:

Elke Bartz, ForseA e.V., Bianka Becker, Kontakt für selbstbestimmtes Leben im Kreis Düren - KonSeL e.V., Angelika Huck, Regierungsdirektorin im Bundesarbeitsministerium, Gisela Fröh, Kreissozialamt Düren, Gudula Metz, SPD - Fraktionssprecherin im Sozial- und Gesundheitsausschuss des Kreises Düren (angefragt), Wilhelm Kuss, CDU - Fraktionssprecher im Sozial- und Gesundheitsausschuss des Kreises Düren (angefragt), Verena Schloemer, Bündnis 90-GRÜNE - Fraktionssprecherin im Sozial- und Gesundheitsausschuss des Kreises Düren (angefragt), Rudi Frischmuth, FDP - Fraktionssprecher im Sozial- und Gesundheitsausschuss des Kreises Düren (angefragt)

16.00 Uhr Ende der Veranstaltung

Veranstaltungsbericht

"Selbstbestimmte Assistenz - eine Alternative zum Pflegeheim!" lautete der Titel der Veranstaltung, zu der die Kontaktstelle für selbstbestimmtes Leben im Kreis Düren - KonSeL e.V. - und das Forum selbstbestimmter Assistenz behinderter Menschen - ForseA e.V. - in den Seminarraum der Dürener Stadthalle eingeladen hatte. Ca. 40 behinderte und nichtbehinderte Menschen waren der Einladung zu dieser Veranstaltung, die von Michael Esser vom WDR moderiert wurde, trotz Sonne pur an diesem Tag gefolgt.

Foto Bianca Becker

Bianka Becker, Vorsitzende von KonSeL e.V., begrüßte die TeilnehmerInnen und brachte zum Ausdruck, wie wichtig es ist, dass die Tour für Menschenwürde in der Pflege auch in Düren Halt macht und damit auch in dieser Region eine intensive Auseinandersetzung zum Thema Assistenz behinderter Menschen, sowie über Alternativen zum Pflegeheim stattfindet. Der Publizist Ottmar Miles-Paul schlug zur Einführung einen Bogen vom Beginn und der Bedeutung der Selbstbestimmt Leben Bewegung bis zur aktuellen Entwicklung des am Vortage durch den Bundesrat verabschiedeten Sozialgesetzbuch IX und des noch für diese Legislaturperiode geplanten Bundesgleichstellungsgesetzes für behinderte Menschen. Dabei wurde deutlich, dass die Idee des selbstbestimmten Lebens keineswegs eine Spinnerei von einigen Wenigen hierzulande ist, sondern dass es sich dabei um eine internationale Bewegung handelt, die in den letzten 30 Jahren bereits viel verändert hat. Vor allem das veränderte Denken über Behinderung als Frage von gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und der Machtverteilung mache diese Philosophie für die Ausgestaltung von Hilfesystemen so interessant. Die für uns recht neue Möglichkeit, Leistungen zukünftig auch im Rahmen eines Persönlichen Budgets in Anspruch nehmen zu können, weist eine Vielzahl von Parallelen zum Arbeitgebermodell auf, das von ca. 15000 -2000 behinderten Menschen bereits seit längerem in der Pflege erfolgreich praktiziert wird.

Foto Elke Bartz

Elke Bartz stellte genau dieses Beispiel der Selbstorganisation der Pflege in ihrem Vortrag vor und machte deutlich, dass es dabei um nichts Extravagantes geht, sondern lediglich darum, wie behinderte Menschen ihr Leben möglichst flexibel gestalten können. "Ohne das Arbeitgebermodell, das es mir ermöglicht, meine Assistenz flexibel und bedarfsgerecht zu planen, hätte ich niemals diese Tour machen können und wäre heute auch nicht hier," so Elke Bartz. Persönliche Assistenz sei daher ein Menschenrecht und nicht an eine bestimmte Behinderung oder an ein bestimmtes Alter gebunden. Wichtig sei jedoch - und dies wurde auch von Barbara Combrink vom Kölner Zentrum für selbstbestimmtes Leben Behinderter bestätigt -, dass die Form der Unterstützung an die Bedürfnisse der einzelnen behinderten Menschen angepasst wird. Denn so gut das Arbeitgebermodell auch ist, so bedeutet es auch die Übernahme einer Vielzahl von lästigen Verantwortungen. Um wirkliche Wahlmöglichkeiten zu haben, sei es daher dringend nötig, dass das Arbeitgebermodell als Form der weitest gehenden Selbstbestimmung flächendeckend ermöglicht wird, die Finanzierungsgrundlage mittels eines Leistungsgesetzes für behinderte Menschen verbessert wird und sich die herkömmlichen Angebote wie Ambulante Dienste und Einrichtungen radikal reformieren und sich an den Bedürfnissen der Betroffenen orientieren.

v.l.n.r.Gisela Fröh, Kreissozialamt Düren, Angelika Huck, Regierungsdirektorin im Bundesarbeitsministerium, Verena Schloemer, Bündnis 90-GRÜNE

Dr. Bettina Lindmeier von der Universität Oldenburg führte am Nachmittag aus, dass ein Abschied von Anstalten sehr wohl auch für Menschen mit sog. geistiger Behinderung und mit sog. schwereren Behinderungen möglich ist, wenn die nötige Unterstützung gewährleistet wird. Dabei verwies sie auf eine Reihe von interessanten Entwicklungen in anderen Ländern wie den USA und Großbritannien. Eine gezielte und an den Wünschen der Betroffenen orientierte persönliche Zukunftsplanung könnte dafür einen guten Rahmen bieten, um das Potenzial und die Interessen der Betroffenen besser erkunden zu können. Dass etwas in diesem Bereich in Bewegung gekommen ist, zeigt das Beispiel von Hephata Mönchengladbach, die bereits Mauern niedergerissen haben und zusehends auf ambulante Unterstützungsstrukturen setzen.

Behinderte verlangen Selbstbestimmung ihrer Pflege und Assistenz

  Düren (dpa/lnw) - Die Regelungen des Pflegeversicherungsgesetzes bevormunden nach Ansicht des Forums Selbstbestimmte Assistenz (ForSea) die auf Pflege und Assistenz angewiesenen Menschen. Behinderte Menschen, die ihre Pflegekraft selbst als Arbeitgeber einstellen, bekämen in der höchsten Pflegestufe 60 Prozent weniger Geld als jene, die die Dienste ambulanter Pflegeanbieter in Anspruch nehmen, sagte ForSea-Vorsitzende Elke Bartz am Samstag in Düren. Damit würden die Schwerstbehinderten gezwungen, sich in Extremfall mit täglich wechselnden Pflegekräften auseinander zu setzen.

Mit der Änderung des Pflegeversicherungsgesetzes müsse den rund 1,5 Millionen auf Pflege und Assistenz angewiesenen Menschen die Möglichkeit eröffnet werden, sich ohne finanzielle Zwänge für die erforderlichen Hilfen zu entscheiden, sagte Elke Bartz. Unter dem Motto: «Für Menschenwürde in der Pflege» wollen Elke Bartz und ihre Mitstreiter bis Ende Juni in vielen Städten auf Missstände in Pflegeheimen und in der Ambulanten Pflege aufmerksam machen, mit Betroffenen und Fachleuten diskutieren und die gewonnenen Erkenntnisse an alle Bundestagsabgeordnete weitergeben. ForSea ist die Dachorganisation von 16 Behindertenverbänden mit rund 70 000 Mitgliedern.

dpa 12. Mai 2001

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