Bundesverband
Forum selbstbestimmter Assistenz behinderter Menschen e.V.


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Künzelsau (15. Mai 2001)

Leben mit Behinderung - Referat im Rahmen des Religions-/ Ethikunterrichtes der 8. Klassen am Schlooßgymnasium Künzelsau
15.00 Uhr im Schloßgymnasium in Künzelsau
Veranstalter: Schloßgymnasium

Veranstaltungsbericht

"Wer hat einen behinderten Menschen in der Familie oder in der Nachbarschaft?" lautete die erste Frage, die Elke Bartz an die 32 Schülerinnen und Schüler der achten Klassen des Künzelsauer Schlossgymnasiums stellte.

Eingeladen hatten eine Lehrerin und ein Lehrer Elke Bartz im Rahmen des Religions- und Ethik- Blockunterrichtes. Vorausgegangen waren Unterrichtsstunden zum Thema Genesis, Menschenwürde, Moral und Ethik. Das Leben mit einer Behinderung als ergänzendes Thema drängte sich in diesem Zusammenhang geradezu auf.

Auf Bartz´ erste Frage meldete sich nur ein einziger Schüler, der einen Rollstuhl benutzenden Onkel hat. "Aber den sehen wir nur selten, weil bei uns lauter Treppen sind, die er nicht hinauf kommt," meinte der Schüler. Ein guter Ansatzpunkt, um die Schwierigkeiten im Alltagsleben darzustellen. "Doch nicht der Rollstuhl ist das Hindernis, sondern die Tatsache, dass es statt Rampen und Aufzügen häufig Treppen sind, die einem mobilitätseingeschränkten Menschen den Zugang verweigern", erklärte Elke Bartz.

Sie betonte im weiteren Gespräch, dass es eigentlich gar nicht möglich ist, vom Leben mit Behinderung zu berichten, denn "die Behinderten" gäbe es nicht. Es gibt nicht nur unzählige vollkommen unterschiedliche Behinderungen und deren Auswirkungen. Wie auch bei nichtbehinderten sind behinderte Menschen Individuen mit unterschiedlichen Lebensplanungen, Wünschen und Bedürfnissen. Daher könne sie nur von sich oder ihren Erfahrungen als Beraterin berichten.

Doch nicht nur der Aspekt der Barrierefreiheit beschäftigte die Schülerinnen und Schüler. Selbst zu vermeintlichen Tabuthemen wie der Sexualität und dem Kinderkriegen stellten sie Fragen. Außerdem interessierte es sie, wie man damit lebt, wenn man für alltägliche Verrichtungen wie der Körperpflege, den Toilettengängen und vielem anderen mehr auf Hilfe angewiesen ist. Elke Bartz erklärte den Unterschied zwischen Assistenz und fremdbestimmter Pflege. "Auch nach fünfundzwanzig Jahren ist es mir längst nicht gleichgültig, wer mir beim An- und Ausziehen hilft. Und ohne Assistenz könnte ich heute nicht bei euch sein", meinte sie. Ohne Assistenz bekäme sie wohl iregend welche Hilfeleistungen. Doch Sozialstationen kämen zwar ins Haus, könnten aber selten Hilfen außerhalb der Wohnung zur Verfügung stellen.

Selbst mit einer Behinderung zu leben, konnte sich wohl niemand vorstellen. Allein die Vorstellung, nicht alleine zur Toilette gehen zu können, war vielen deutlich unangenehm. Aber vielleicht mal als AssistentIn zu arbeiten, erschien einigen nicht als abwegig.

Auf die Frage, wie nach Meinung der Schülerinnen und Schüler behinderten Menschen begegnet werden sollte, antwortete ein Schüler: "Mit Respekt" Eine weitere Schülerin ergänzte: "Behinderte Menschen dürfen nicht ausgeschlossen werden. Es muss möglich sein, dass sie überall mitmachen können."

Vermutlich wurden die Klassen sehr gut auf die Unterrichtsstunden und den Besuch von Elke Bartz vorbereitet. Sie zeigte keine Berührungsängste und erst recht kein falsches Mitleid. Im Gegenteil gab es viele interessierte Fragen, die sich bestens dazu eigneten, Fremdheiten abzubauen und Informationen zu sammeln. Wenn behinderte Menschen und ihre Bedürfnisse nichts Fremdes oder gar Unheimliches darstellen, werden sie von den künftigen Erwachsenen viel selbstverständlicher wahrgenommen und auch im späteren Umgang sowohl auf privater als auch beruflicher Ebene einbezogen.

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