Bundesverband
Forum selbstbestimmter Assistenz behinderter Menschen e.V.


Sie befinden sich hier »
Archiv » Abgeschlossene Kampagnen » 2002 - Faire Assistenz » Broschüre zur Kampagne » Kilian Diemer

Kilian Diemer: Verraten und verkauft im Krankenhaus

Bild: Kilian DiemerKilian Diemer hat`s gleich mehrfach erwischt. Nicht genug, dass der 49-Jährige an Morbus Bechterew erkrankt ist. Vor acht Jahren stürzte er in seiner Küche und brach sich die Wirbelsäule. Wegen seiner Vorerkrankung war seine Wirbelsäule Jahre zuvor versteift worden war, so dass er den Kopf nicht mehr drehen konnte. Nur diesem Umstand ist zu verdanken, dass die Diagnose "nur" Querschnittlähmung ab dem zweiten Halswirbel und nicht Exitus nach Genickbruch lautete.

Heute kann Kilian Diemer nur noch die Augen öffnen und schließen, sowie langsam essen und leise reden. Dennoch lebt er ein selbstbestimmtes Leben, da er als Arbeitgeber eigene Assistentinnen beschäftigt. Diese kennen seine Bedürfnisse gut und verstehen ihn auch dann, wenn er wegen gesundheitlicher Probleme nur noch schwer verständlich oder gar nicht sprechen kann.

Dramatisch wurde es jedoch vor etwa fünf Jahren. Der Morbus Bechterew hatte sich verschlechtert und eine Kieferoperation wurde unumgänglich. Kilian Diemer kam in eine Uniklinik, die keinerlei Erfahrungen mit hoch Querschnittgelähmten hatte.

Entgegen vorheriger Absprache bekam er bereits am zweiten Tag seines Krankenhausaufenthaltes eine Magensonde, einen Dauerkatheter und ein Tracheostoma (Luftröhrenschnitt) verpasst. Damit begann eine mehrmonatige Leidenszeit, an die er sich auch heute nur mit Grauen zurück erinnert. Wegen des Tracheostiomas konnte er nicht mehr sprechen und seine Bedürfnisse und Wünsche mitteilen. Die ständig wechselnden Schwestern verstanden nicht, wenn er verständlich machen wollte, dass er Schmerzen hatte, anders gelagert werden wollte. Wurde er doch einmal in den Rollstuhl gesetzt, kam es vor, dass er stundenlang dort saß, nur in eine Richtung blicken und mit niemandem Kontakt aufnehmen konnte. War er vom Sitzen erschöpft und kurz vor dem Kollabieren, konnte er sich nicht bemerkbar machen, sondern musste vielmehr warten, bis eine Schwester von sich aus kam.

Kurze Erleichterung dieses mehrmonatigen Martyriums hatte er nur, wenn seine Assistentinnen oder die Familien seiner Geschwister ihn besuchten. Und das war nicht ständig möglich, da das Krankenhaus zu weit vom Wohnort entfernt war.

Kilian Diemer ist kein Einzelfall. Daher fordern wir

Weitergewährung der Assistenzleistungen auch bei Unterbrechung durch stationäre Versorgung, sowie bei medizinischen und beruflichen Rehabilitations- maßnahmen

Links

Kontakt

Für Spenden und Beiträge bis zu 300,00 € (bis 31.12.2020 200,00 €) reicht eine vereinfachte Zuwendungsbestätigung.

 

Login

 
Hilfe
Impressum 










All Rights Reserved by ForseA

copyright © StorEdit CMS & Shopsoftware

Bild: Kilian DiemerKilian Diemer hat`s gleich mehrfach erwischt. Nicht genug, dass der 49-Jährige an Morbus Bechterew erkrankt ist. Vor acht Jahren stürzte er in seiner Küche und brach sich die Wirbelsäule. Wegen seiner Vorerkrankung war seine Wirbelsäule Jahre zuvor versteift worden war, so dass er den Kopf nicht mehr drehen konnte. Nur diesem Umstand ist zu verdanken, dass die Diagnose "nur" Querschnittlähmung ab dem zweiten Halswirbel und nicht Exitus nach Genickbruch lautete.

Heute kann Kilian Diemer nur noch die Augen öffnen und schließen, sowie langsam essen und leise reden. Dennoch lebt er ein selbstbestimmtes Leben, da er als Arbeitgeber eigene Assistentinnen beschäftigt. Diese kennen seine Bedürfnisse gut und verstehen ihn auch dann, wenn er wegen gesundheitlicher Probleme nur noch schwer verständlich oder gar nicht sprechen kann.

Dramatisch wurde es jedoch vor etwa fünf Jahren. Der Morbus Bechterew hatte sich verschlechtert und eine Kieferoperation wurde unumgänglich. Kilian Diemer kam in eine Uniklinik, die keinerlei Erfahrungen mit hoch Querschnittgelähmten hatte.

Entgegen vorheriger Absprache bekam er bereits am zweiten Tag seines Krankenhausaufenthaltes eine Magensonde, einen Dauerkatheter und ein Tracheostoma (Luftröhrenschnitt) verpasst. Damit begann eine mehrmonatige Leidenszeit, an die er sich auch heute nur mit Grauen zurück erinnert. Wegen des Tracheostiomas konnte er nicht mehr sprechen und seine Bedürfnisse und Wünsche mitteilen. Die ständig wechselnden Schwestern verstanden nicht, wenn er verständlich machen wollte, dass er Schmerzen hatte, anders gelagert werden wollte. Wurde er doch einmal in den Rollstuhl gesetzt, kam es vor, dass er stundenlang dort saß, nur in eine Richtung blicken und mit niemandem Kontakt aufnehmen konnte. War er vom Sitzen erschöpft und kurz vor dem Kollabieren, konnte er sich nicht bemerkbar machen, sondern musste vielmehr warten, bis eine Schwester von sich aus kam.

Kurze Erleichterung dieses mehrmonatigen Martyriums hatte er nur, wenn seine Assistentinnen oder die Familien seiner Geschwister ihn besuchten. Und das war nicht ständig möglich, da das Krankenhaus zu weit vom Wohnort entfernt war.

Kilian Diemer ist kein Einzelfall. Daher fordern wir

Weitergewährung der Assistenzleistungen auch bei Unterbrechung durch stationäre Versorgung, sowie bei medizinischen und beruflichen Rehabilitations- maßnahmen

Banner und Link www.assistenzjobonline.de

copyright © 2018 mobile & more gmbh. All rights reserved